• Lenny Hug

Die Plastikhölle - Überflutung der Welt

Jeder benutzte es, meistens nur einmal und wirft es oft nach Sekunden weg. Der Plastik hat die Welt seit seiner Entdeckung vor etwa hundert Jahren sehr verändert. Es konnte noch nie so günstig ein Material in Massen produziert werden.

Die Erzählung von dem König Midas, Sohn von Gordios und Kybele, ist in seinen Erzählungen für seine Dummheit durch die Gier bekannt. Als Midas Silenos gefangen hielt, fragte er Dionysos, Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit, des Wahnsinns und der Ekstase, nach einem Wunsch, dem ihm gewehrt wurde mit der Abmachung, Silenos wieder freizulassen. Sein Wunsch war, dass alles was er berührt sich in Gold zu verwandeln, so dass er der reichste König der Welt wird.


Alles was er berührte wurde zu Gold, alle Bäume, Steine, Häuser und Kleider wurden verwandelten. Doch Midas bemerkte als er hungrig wurde, dass sein Essen sich ebenfalls in Gold verwandelt. Seinen Durst konnte er auch nicht stillen und drohte zu verdursten. In der Verzweiflung rief er seine Tochter zu sich und suchte sich Trost bei ihr. Doch als er seinen Fehler bemerkte, war sie schon in Gold verwandelt. Midas suchte sich Rat bei den Göttern und bat sie darum, die Gabe wieder zu nehmen. Dionysos rat ihm den Fluss Paktolos zu besuchen, so dass seine Gabe zum Fluss überging.


Doch warum erzähle ich das euch?

Wenn mich etwas interessiert, sind es uralte Geschichten und Sagen, da es oft ein Funken Wahrheit beinhaltet, selbst in der heutigen Welt.

Die Menschheit hatte einen ähnlichen Wunsch, nämlich eine stinkende Pampe in Magie umzuwandeln, nämlich Plastik. Ein sehr günstiges, allzwecktaugliches und steriles Material, mit dem man alles machen kann.

Wie in der Geschichte, beginnen wir jedoch die Kontrolle über diese Magie zu verlieren, denn sie verstreut sich weltweit in unseren Meeren, Länder, Luft und es ist bereits im Körper deren Schöpfer.

Plastik besteht aus Polymerketten, eine lange Kette von immer wiederholenden Strängen von Molekülgruppen, genau wie in der DNA. Beim Plastik wird Erdöl in seine Einzelteile zerlegt und ordnet sie neu an, so genannte synthetische Polymere. Die Besonderheit der synthetische Polymere ist, dass sie mit wenig Energie jede Form annehmen können, dazu leicht und sehr widerstandsfähig sind. So kostet eine PET-Flasche, je nachdem wie viele produziert werden, rund 1 bis 5 Rappen.

Doch nicht nur beim PET wurden kosten gespart. Auch bei mechanischen Bauteilen wird Bakelit verwendet, PVC für Gehäuse, aus Nylon werden Kleider gemacht und aus Acryl haben wir widerstandfähige Fenster. Schau dich zuhause rum, was hat alles, auch wenn nur teilweise, Plastik an sich oder war in Plastik verpackt? Wahrscheinlich so gut wie alles.

Das Problem ist: Plastik ist heutzutage Müll und kein magischer Stoff mehr. Wenn du einkaufen gehst und bei der Gemüseabteilung gehst, wie viel packst du in eine Plastiktüte rein oder ist bereits mit Plastik umhüllt? Genau dieses Plastik wirfst du zuhause oft innert Tagen in den Müll und weg ist es.


Das mit dem weg ist leider nicht der Fall. Da Plastik aus Polymeren besteht, hat es die Strapazierfähigkeit und dauert 500 bis 1000 Jahre bis es sich komplett abgebaut wurde. Wenn man es sich jetzt überlegt, war es keine gute Idee ein Wegwerfprodukt aus solch einem Material herzustellen. Denn 40% der produzierten Kunststoffe werden für Verpackungen verwendet und werden nur einmal benutzt und dann sofort entsorgt. Seit der Entstehung der Plastik wurden rund 8.3 Milliarden Tonnen des Materials produziert, 335 Millionen Tonnen allein im Jahr 2016. Von diesen 8.3 Milliarden Tonnen sind über 6.3 Milliarden Tonnen Müll. Um sich das bildlich Vorzustellen, ist das ein massiver Plastikblock mit einer Grösse von 1.9km³. Uns von diesem Müll wurde rund 9% recycled,12% verbrannt und die restlichen 79% sind unter uns. Davon landet rund 8 Millionen Tonnen im Jahr in die Weltmeere. Das heisst, dass wenn wir nichts ändern, dass 2050 mehr Plastik als Fische in den Meeren leben.

So gut jeder der in sozialen Medien unterwegs ist hat ein Bild gesehen, bei dem sich Tiere in Plastikgegenstände sich verfangen oder gegessen haben und sogar an denen verstorben sind.

Denn Plastik ist nicht verdaubar und der Magen bleibt voll. Wenn sie nicht erbrechen können, verhungern sie qualvoll. Bereits im Jahr 2015 hat man bei 90% der Seevogel Plastikteile im Magen gefunden, an denen sie verstarben.

Doch ist das schon der Warnschuss, dass wir was ändern müssen? Leider gibt es wenige Studien, die das Beweisen und es wird, weiterhin geforscht. Doch die grösste Gefahr wurde bereits entdeckt: Nämlich Mikroplastik, also Kunststoffteilchen die kleiner als 5mm sind. Der schwimmende Müllteppich in den Meeren wird von der Sonne mit UV-Strahlen belastet, so dass sich das Plastik in winzig kleine Einzelteile zersetzt. Diese Einzelteile werden von Kleinstlebewesen wie Planktons, die wiederum von Fischen, Austern und Krabben gefressen, die bei uns auf dem Teller landen. Man hat auch Mikroplastik in Getränken, Wasser, Meersalz, Hausstaub und Honig gefunden. Auch acht von zehn Babys und fast allen Erwachsenen in einer Studie eine Menge von Phthalate, ein sehr verbreiteter Weichmacher, messen. Und in 93% der Teilnehmenden konnte man BPA im Urin finden.

Schau mal bei deinen Hygiene- und Schönheitsartikel nach, wie im Shampoo, Lippenstift, Peeling oder Zahnpasta, was findest du in der Inhaltsbeschreibung? Neben allen chemischen Begriffen wirst du sehr wahrscheinlich „Polyethylen“ (PE), „Polypropylen“ (PP), „Polyamid“ (PA) oder „Polyethylenterephthalat“ (PET) finden. All diese Stoffe sind Mikroplastik und belasten die Umwelt auch schwer. Wenn du interessiert bist an einer kompletten Liste, um umweltbewusster einzukaufen, schau unten in der Quellebeschreibung in den Greenpeace-Artikel.

Meine Frage war, was ist an Plastik denn genau giftig? Zum Beispiel steht BPA, das Plastik durchsichtig macht, in dem Verdacht, dass es eine hormonähnliche Wirkung hat. DEHP ist ein Wachmacher im Kunststoff und es wird vermutet, dass es krebserregend ist. Also wenn Mikroplastik sich als giftig erweist, erwartet eine grosse Gefahr auf uns. Aber wie bereits erwähnt, sind dazu noch wenige Studien bekannt und sind nicht sehr aussagekräftig, doch es sollte uns warnen und zeigen, dass was geändert werden muss. Denn wir haben jetzt wie König Midas die Kontrolle über unseren Wunsch verloren und müssen sie zurückgewinnen. Aber wie machen wir das mit einem kompletten Plastikverbot?

Da habe ich dieselbe Meinung wie bei der Abstimmung gegen Atomkraftwerke. Es ist gut, wenn man von der Atomenergie wegkommt, doch was dann? Stellen wir Windräder hoch, bei denen keiner sie haben will bei sich? Bauen Staudämme und Wasserkraftwerke, bei denen sich trotzt Schutzmassnahmen Fische verhakt werden? Oder gehen doch auf den Solarstrom und Akkus, die nur Tags funktionieren und der Akku selbst auch Umweltbelastend ist? Wir haben hier beim Plastik ebenfalls keine andere grosse Wahl, da alternativen wie Glas statt PET, Stofftasche statt Plastiktasche und schneller verderbende Lebensmittel statt Verpackung auch Umweltbelastung sind.

Denn 131 Einweg-Plastiktasche produzieren gleich viel CO2 und brauchen dieselbe Menge Energie wie eine Wolltasche. Auch wird weltweit ein Drittel des Essens auf der Welt weggeworfen und produziert so Methan und diese Verschwendung wird durch Plastikverpackungen eingedämmt.

Mir ist dann eine berechtigte Frage gekommen als ich das alles erfahren habe: Was bringt es, wenn wir hier in der Schweiz alles schön und gut machen, doch der Rest der Welt nicht?

Es muss jeder jedem hier helfen, denn am Ende werden wir alle darunter leiden, denn wenn wir es nicht aus einem globalen Punkt betrachten, werden wir das Problem nie lösen. Denn 90% des Plastikmülls kommen aus nur 10 Flüssen aus Afrika und Asien, da Länder wie China, Indien, Indonesien und Algerien in den letzten Jahrzehnten sich sehr gross Entwickelt haben und so den Müll ignoriert und weggeschüttet haben und es immer noch tun, aus zum Teil finanziellen Gründen und zum anderen da die Mülldeponien kaum hinterherkommen mit der Entsorgungen. Das heisst, es müssen Länder wie die Schweiz, Deutschland, Frankreich, USA und Kanada in die Infrastruktur in Entwicklungsländer investieren, so dass die Müllabfuhr hinterherkommt. Das Ziel dann sein, dass man weniger Plastik in künftige Produkte verwendet und die Menschen in den Ländern über die Gefahr informiert.

Dieses Ziel sollte man meines Erachtens noch vor 2030 erreichen. Man hört oft über positive Berichte wie Larven die Plastik zersetzen und über Plastiknetze, mit denen man in den Meeren Plastik abfängt, dennoch müssen wir schnellst möglich handeln. Ansonsten wird sich alles was wir berühren in Plastik verwandeln und selbst Dionysos wird uns nicht mehr helfen können.

Quellen:


Erfindung des Kunststoffs: https://de.wikipedia.org/wiki/Bakelit


Polymere:

http://www.chemie.de/lexikon/Polymer.html


Kosten einer PET-Flasche:

https://www.economist.com/economic-and-financial-indicators/2014/11/15/the-price-of-making-a-plastic-bottle


Zersetzung des Plastiks:

https://www.initiative-mikroplastik.de/index.php/themen/zersetzungskinetik


Wo am meisten Plastik gebraucht wird:

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/plastik-wo-am-meisten-plastik-eingesetzt-wird-a-1205785.html

8.3 Milliarden Tonnen Plastik produziert:

https://biooekonomie.de/studie-2017-plastikproduktion-und-verbrauch-weltweit

6.3 Milliarden Tonnen Plastikmüll:

https://advances.sciencemag.org/content/3/7/e1700782.full


2050 mehr Plastik als Fische im Meer:

Tiere verfangen sich im Plastikmüll:

https://www.srf.ch/radio-srf-virus/aktuell/umwelt-ein-meer-aus-plastik-wie-kunststoff-unsere-ozeane-verseucht


Vögel fressen Plastikmüll:

https://www.welt.de/kmpkt/article159503511/Das-ist-der-neue-schlimmste-Feind-von-Voegeln.html


Mikroplastik:

https://www.dw.com/de/kunststoff-im-meer-wie-gesundheitssch%C3%A4dlich-ist-mikroplastik/a-39164249


Larve frisst Plastik:

https://www.dw.com/de/mottenlarve-baut-plastik-ab/a-38562995


Liste von Mikroplastik von Greenpeace:

http://www.greenpeace.org/austria/Global/austria/dokumente/ratgeber/Konsum_Mikroplastik_Ratgeber_Juli2014_Auflage2.pdf


AKW-Ausstieg:

https://www.nzz.ch/schweiz/abstimmung-vom-27-november-atomausstiegsinitiative-auf-einen-blick-ld.124002


Windräder sind "hässlich":

https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/dny/wenn-es-um-energie-geht-dann-wird-hueben-und-drueben-gelogen/story/21920063


Wasserkraftwerk tötet Tiere:

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/wasserwerk-turbinen-zerfetzen-tausende-aale


Wirkung von BPA:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1631069117301270


Schädlichkeit von DEHP:

https://www.welt.de/gesundheit/article118741203/Wasserspielzeug-enthaelt-krebserregende-Chemie.html


Mikroplastik im Honig:

https://www.srf.ch/sendungen/kassensturz-espresso/themen/umwelt-und-verkehr/plastik-im-honig-test-zeigt-verschmutzung-im-naturprodukt


Mikroplastik im Bier:

https://unserplanet.net/mikroplastik/


Phthalata im Menschen:

https://www.umweltprobenbank.de/de/documents/selected_results/16425


BPA im Urin:

https://www.niehs.nih.gov/health/topics/agents/sya-bpa/index.cfm


Plastik- und Wolltasche im Vergleich:

https://www1.wdr.de/wissen/mensch/baumwolltaschen-papiertueten-oekobilanz-100.html


Ein Drittel der Nahrung wird weggeworfen:

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/umwelt/wegwerfgesellschaft-die-grosse-verschwendung-11130879.html


Plastik minimiert Essensverschwenung:

https://www.researchgate.net/publication/266620687_FINAL_REPORT_The_role_of_packaging_in_minimising_food_waste_in_the_supply_chain_of_the_future


90% des Plastiks in unseren Meeren stammt aus nur 10 Flüssen:

https://www.improvemag.ch/climate/90-des-plastiks-in-unseren-meeren-stammt-aus-nur-10-fluessen/2274/

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